Zusammenfassung der Drupal Developer Days 2017 in Sevilla

Geschrieben von Kevin Van Ransbeeck am 10/05/17

Der jährlichen Tradition entsprechend kamen Entwickler von Drupal aus der ganzen Welt zusammen, um vom 21. bis zum 25. März 2017 an den Drupal Developer Days teilzunehmen. Jedes Jahr wird eine andere europäische Stadt als Veranstaltungsort gewählt und eine Ad-hoc-Gruppe aus Freiwilligen zusammengestellt, die alles daran setzt, die Drupal Developer Days noch erfolgreicher zu machen als alle vorherigen Veranstaltungen. Nach einer gelungenen Veranstaltung in Mailand im vergangenen Jahr wurde die Fackel an den südlichsten Teil Europas und die Hauptstadt Andalusiens weitergereicht: Sevilla, Spanien.

Zusammenfassung der Drupal Developer Days 2017 in Sevilla

 

Das Event-Marketing-Team hinterlässt einen glänzenden ersten Eindruck 

Mit dem Ziel eines perfekten Veranstaltungsortes haben die Organisatoren „El Fuerte de Isla Mágica“, die Festung der Isla Mágica, in Sevilla gewählt. Die Isla Mágica ist ein Themen- und Wasserpark, der auf dem Gelände der Expo 92 gebaut wurde. Im Park selbst liefen zu der Zeit die Vorbereitungen für die große Eröffnung drei Wochen nach den Drupal Developer Days. Wir hatten zwar während der Veranstaltung keine Gelegenheit, die Attraktionen zu genießen, aber an einer Konferenz inmitten eines leeren Themenparks teilzunehmen, war etwas Besonderes. In ihm herumzuspazieren fühlte sich an, als wäre man in einer verlassenen Stadt. Gleichzeitig konnte man sich aber die typische Themenpark-Atmosphäre vorstellen: der Duft von Zuckerwatte und Waffeln, lachende Kinder, spritzendes Wasser von den Booten, die von den Riesenrutschen herunterdonnern, kreischende Menschen auf der Achterbahn… 

Thema des Parks sind Piraten und die Veranstaltungsorganisatoren der Drupal Developer Days haben dieses Thema aufgegriffen. Es zog sich durch die gesamte Veranstaltung - von den Websites, Templates und dem Merchandising bis hin zur Bekleidung der Freiwilligen vor Ort - jedes Detail hatte etwas mit dem Piraten-Konzept zu tun.

Das Event-Marketing-Team hinterlässt einen glänzenden ersten Eindruck

Die fünftägige Konferenz begann mit der obligatorischen Eröffnungssitzung und Formalitäten am ersten Tag, gefolgt von vier Tagen, die von ausschließlich weiblichen Hauptrednerinnen geprägt waren.

 

Alle Daten gehören Geo 

Der erste Vortrag wurde von María Arias de Reyna, Software-Entwicklerin und Metadaten-Expertin, gehalten. Sie sprach über die Bedeutung von Geodaten und wie sie unser tägliches Leben beeinflussen. Da alles im geografischen Kontext steht, müssen diese Daten unbedingt so strukturiert und gespeichert werden, dass sie eindeutig identifizierbar sind, selbst wenn uns die Wichtigkeit dessen nicht unmittelbar bewusst ist.

Es gibt jedoch Herausforderungen, derer man sich annehmen muss:

  • Adressen sind nicht einzigartig - eine Kombination aus Haus- und Postfachnummer kann in einer Stadt mehrmals auftreten.
  • Breiten- und Längengrade sind nicht semantisch und es kann schwierig sein, sie präzise in Analysen einzusetzen.
  • Einige Städte und Organisationen experimentieren mit dem sogenannten Drei-Wort-Prinzip, das es möglich machen sollte, jede Koordinate in der Welt mit drei Wörtern zu identifizieren. Diese Methode beinhaltet jedoch einen geschlossenen Algorithmus, ist kostspielig und steht in Abhängigkeit von Dritten.

Der Vortrag wurde mit einer Betrachtung der verfügbaren Drupal-Module für Geocoding, Speicherung und Visualisierung von Geodaten, z. B. OpenLayers, Leaflet, Google Maps, Carto, abgeschlossen.

 

Die Drupal-Plattform und die Zukunft des e-Commerce

Der zweite Vortrag wurde von Laura Valverde García gehalten, die extra aus San Francisco angereist war, wo sie CEO eines Social Commerce Startups ist. Laura erklärte, dass Drupal eine der beliebtesten Plattformen der Welt ist, und beschrieb, wie aus einem reinen Content Management System (CMS) eine erweiterbare Plattform entstanden ist, die für verschiedene Zwecke, einschließlich e-Commerce, verwendet wird. Außerdem stellte Laura einige Trends aus dem Bereich e-Commerce vor und teilte ihre Gedanken zur Nutzung der sozialen Medien zur Unternehmensförderung mit.

 

Unsichtbare Revolution

Der dritte Vortrag wurde von Juliet Moreiro Bockhop, Support Engineer bei Microsoft, gehalten. Sie leitete den Freitag mit einer sehr interessanten Diskussion über das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) oder, wie sie es bezeichnete, die „unsichtbare Revolution“ ein. All unsere Geräte werden „intelligent“, aber was BEDEUTET „intelligent“ eigentlich? Können Geräte die Entwickler überlisten, die diese Intelligenz implementiert haben? Wie können wir unerwartete Szenarien erkennen?

Sie veranschaulichte ihren Vortrag anhand von Beispielen unerwarteter Szenarien bei Alexa, Amazons intelligenter persönlicher Assistentin, wobei es u. a. um einen Fall missverstandener Anweisungen ging und um einen anderen Fall, in dem eine Sechsjährige Alexa benutzt hatte, um ohne das Wissen ihrer Eltern online ein teures Puppenhaus zu bestellen.

Danach begann Juliet eine Diskussion zum Thema Sicherheit. Was passiert, wenn ein massiver Denial-of-Service-Angriff (Distributed Denial of Service, DDoS) alle IoT-Geräte betrifft? Oder umgekehrt, wenn IoT-Geräte in großem Umfang gehackt und als Botnet verwendet werden (Netzwerk infizierter Geräte), um DDoS-Angriffe auszuführen, wie im vergangenen Jahr den Mirai-Malware Angriff?

Vor dem Hintergrund dieser Denkanstöße ging Juliet näher auf einige der Technologien ein, an denen Microsoft arbeitet, z. B. Bing Spelling API, Web Language Model API, Linguistic Spelling API, Language Understanding Intelligence API, Text Analytics API.

Ihren Vortrag schloss sie mit einer Erläuterung der Möglichkeiten ab, die diese APIs bieten. Beispielsweise die Nutzung des Einplatinencomputers Raspberry Pi oder des IoT-Rechnermoduls Edison von Microsoft als IoT-Hub, wodurch Nutzer mit spezifischen Tweets (oder anderen Online APIs) interagieren können. Ein weiteres Beispiel war der mögliche Einsatz von Microsoft Azure als flexible IoT-Cloud-Lösung.

 

Entmystifizierung der Übernahme von Drupal 8  

Der letzte Tag der Konferenz wurde von der vielleicht bekanntesten Frau bei Drupal eröffnet: Angie Byron. Ihr Vortrag war eine Zusammenfassung des 19. November 2015, als Drupal 8.8.0 nach mehreren Jahren Entwicklung endlich freigegeben wurde. Zu der Zeit war der Ausspruch „It ships when it's ready“ (dt. etwa „Es ist fertig, wenn es fertig ist“) einer der geläufigsten während des Produktionsprozesses.

Um Produktverzögerungen in Zukunft zu vermeiden, wurde mit Drupal 8 ein fester Zeitplan eingeführt, der ein Release alle sechs Monate vorsieht. Jedes Release bietet die Möglichkeit der Einführung neuer Funktionen, z. B. BigPipe, Migration UI, Content Moderation, Field Layout usw., wobei die Rückwärtskompatibilität bewahrt wird.

Trotz der Begeisterung und Einigkeit unter den Nutzern, dass Drupal 8 das bisher beste Release der Plattform ist, dauert die Übernahme von Drupal 8 länger als angenommen. Gründe dafür könnten sein, dass neue Fähigkeiten der Entwickler erforderlich sind (z. B. der objektorientierte Ansatz) oder dass Kunden zwar die kostengünstigste  Website möchten, aber nicht bereit sind, für die Entwicklung von Modulen zu zahlen (z. B. „Huhn oder Ei“-Frage).

Nach der Erörterung dieser Problematik demonstrierte Angie Drupal die Möglichkeiten und die Stabilität von Drupal 8 und stellte namhafte Websites vor, die auf der Plattform erstellt wurden, u. a. die Website von WWF, NBA, Al Jazeera und Nasdaq.   

 

Rasche Einarbeitung anhand von Tests in Drupal 8 

Auf Konferenzen wie den Drupal Developer Days gibt es normalerweise Workshops, die extra bezahlt werden, oder überhaupt keine Workshops. In diesem Jahr haben die Organisatoren jedoch versucht, kleinere Workshops in den Konferenzplan zu integrieren. Die Teilnehmer hatten täglich die Möglichkeit, an zweistündigen Workshops mit für sie interessanten Themen teilzunehmen. Die Workshops waren zwar zu kurz, um ein Thema vollständig zu behandeln, aber sie boten eine gute Gelegenheit, zu netzwerken und etwas tiefer in bestimmte Themen einzudringen.

Der für mich interessanteste Workshop war der von Pieter Frenssen, Senior Web Consultant bei Drupal, in dem es um die Tests in Drupal 8 ging. Pieter besprach die verschiedenen Tests, die man in Drupal 8 ausführen kann (und sollte):

  • Komponenten-Tests für objektorientierte Programmierungs- (OOP) Klassen unter Isolation, Prüfung von Argumenten/Output (Dienste, Plugins, Utilities, reine OOP-Codes usw.)
  • Kernel-Tests für Integrationen, wodurch in RAM eine Datenbank mit ausgewählten Schemas entsteht; Full Drupal API ist verfügbar (Einheiten, Speicherung, Konfiguration, Hooks, Interaktion usw.)
  • Browser-Tests, um HTTP-Anfragen durchzuführen und gerenderte HTML zu verifizieren (Nutzer-Interaktion, Formen, komplexe Integrationen usw.)
  • Javascript-Tests für umfassende Nutzer-Interaktion in realen Browsern (Klicken, Ziehen, Tastenbetätigungen)
  • Behat-Tests für verhaltensgesteuertes Testen, um umfassende User Stories zu erstellen – Tests werden in einfachem Englisch in einer domänenspezifischen Sprache geschrieben, die von den Kunden verstanden werden und so konzipiert sind, dass sie das Nutzerverhalten testen, nicht den Code

Nach einer theoretischen Einführung führte uns Pieter durch die verschiedenen Tests und zeigte uns Beispiele zum besseren Verständnis. Leider vergingen die zwei Stunden zu schnell, um ein tieferes Eindringen in die Testszenarien zu ermöglichen. Der Workshop war jedoch insgesamt sehr interessant und ein guter Wegweiser für die richtige innere Einstellung.

 

Sprints und Beiträge 

Sprints und Beiträge

Abgesehen von interessanten Vorträgen und Workshops  bieten die Drupal Developer Days den (Haupt-)Teilnehmern die einmalige Gelegenheit, zu netzwerken, Seite an Seite zu arbeiten und Erkenntnisse auszutauschen oder Lösungen von Problemen zu diskutieren, auf die sie bei der täglichen Arbeit stoßen. Es war beeindruckend, wie viele Leute extra nach Sevilla gekommen waren, um aus Drupal ein besseres Produkt zu machen. Es stand ein riesiger Sprint-Raum zur Verfügung, Probleme wurden zusammengefasst  (z. B. Medien, Core und Suche usw.) und  Mentoren  und Sprint-Leiter unterstützten Neulinge, damit sich diese rascher einarbeiten und effektiver beitragen konnten.

 

Fazit 

Aus persönlicher Sicht waren die Drupal Developer Days erneut eine schöne Erfahrung. Ich konnte Experten der Drupal Community zuhören, an interessanten, praktischen Workshops teilnehmen und tolle Kollegen von Drupal kennenlernen. Ich freue mich darauf, im nächsten Jahr wieder teilzunehmen.


Access free Drupal 8 resources in three different languages!



Thema: Drupal, Content Management, Microsoft, Drupal Developer Days






Kevin Van Ransbeeck

Geschrieben von Kevin Van Ransbeeck

Kevin Van Ransbeeck is Consultant at AMPLEXOR, specialized in Drupal. He is based in Belgium.

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