Mit Übersetzungstechnologien erfolgreich kommunizieren

Geschrieben von Kristina Bauer am 11/05/17

Am 23. und 24. Februar besuchte ich die Together-Konferenz der European Language Industry Association (ELIA) in Berlin. Die jährliche Veranstaltung des Branchenverbands stand dieses Jahr unter dem Motto „Communicating for Success“ (Erfolgreich kommunizieren). Während meine Kollegin Anke den Programmbereich Relationship besuchte, konzentrierte ich mich auf den Programmbereich Technologie und die Vorträge von ganz unterschiedlichen Rednern: es waren Wissenschaftler, Freelancer, Sprachdienstleister und Softwareanbieter vertreten.

 

Mit Übersetzungstechnologien erfolgreich kommunizieren

Alle Vorträge drehten sich um die technischen Aspekte des Übersetzens, jedoch aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich erfuhr von den Problemen bei der Qualitätssicherung, den neuesten Entwicklungen bei CAT-Tools und Dateimanagement, den ständig steigenden Erwartungen und im Zusammenhang mit der enormen Geschwindigkeit, mit der Inhalte und Daten erzeugt werden.

 

Der Trend zu mehrsprachigen Inhalten 

„Wir produzieren heute in 2 Tagen so viele Informationen wie von den Anfängen der Zivilisation bis zum Jahr 2003. Das sind 2,5 Millionen Terabyte Daten pro Tag!“

Neil Ferguson, Produktmarketingmanager bei SDL, bei seiner Präsentation „Taking control of machines – non-zero-sum strategies for translators“ („Maschinen kontrollieren – Strategien gegen Nullsummen für Übersetzer“)

 

Er führte zudem eine Reihe aufschlussreicher Statistiken an, die zeigen, warum dieses alarmierende Tempo, mit dem Inhalte wachsen, und die damit verbundene rapide Zunahme des Übersetzungsvolumens dazu führen, dass von den Lokalisierungsdiensten und -technologien globaler Unternehmen:

- 92 % Probleme mit der Lokalisierung haben

- 70 % 5 oder mehr Sprachen unterstützen

- 36 % Inhalte in mehr als 10 Repositorys ablegen

- 71 % angeben, dass ihr Web-Content-Management-System (WCMS) nicht direkt mit den Lokalisierungsprozessen verknüpft ist

Freelance-Übersetzerin Rosie Robbins hielt eine interessante Präsentation zum Content-Marketing. Anhand einer Reihe von Beispielen aus der Praxis stellte sie anschaulich dar, wie sich dieses Marketingkonzept auch für Freelancer anwenden lässt.  Das Thema knüpfte nahtlos an die Überlegungen von Neil Ferguson an, der zeigte, warum Technologien wie Übersetzungs-Connectors und End-to-End-Lösungen für die Erstellung, Strukturierung und Veröffentlichung mehrsprachiger Inhalte unverzichtbar sind, um die Qualität der Unternehmenskommunikation auf das Niveau ihrer Produkte zu bringen. Produktinformationen werden heutzutage immer schneller erstellt und wiederverwendet, müssen aber trotzdem in allen Sprachen und Formaten einfach zu aktualisieren und korrekt sein.

 

Die Zukunft der maschinellen Übersetzung 

Alle diese Präsentationen zu technologischen Aspekten stießen lebhafte Diskussionen über die maschinelle Übersetzung (Machine Translation, MT) an – das Thema, das mich angesichts der neuesten Entwicklungen bei der neuralen MT am meisten interessierte. Das Thema dominiert jede Diskussion über Übersetzungstechnologien und mit dem Siegeszug von Big Data wird ihre Entwicklung noch beschleunigt und vorangetrieben. Das verbessert die Qualität und Nutzerfreundlichkeit übersetzter Inhalte.

Auch Ana Guerberof von der Universtat Autònoma de Barcelona warf eine Reihe spannender Fragen für die Zukunft der MT auf:

  • Gehört das MT-Post-Editing bereits der Vergangenheit an?
  • Ist die vollständige Automatisierung für bestimmte Textarten heute greifbarer als je zuvor?
  • Wie lässt sich die erfolgreiche Zusammenarbeit in der Cloud erreichen?
  • Was ist mit automatischer Speech-to-Speech-Übersetzung?
  • Wie sollten Studierende im Bereich Übersetzung und Lokalisierung zu MT-Technologien geschult werden?

Übersetzungstechnologien im Dienst des Menschen 

Eine Reihe von Referenten zitierte den „Emerging Trends“-Bericht 2016 von Gartner, um alle zu beruhigen, die bei der Einführung von neuen Technologie gerne in Panik verfallen: „Technologie wird sich auch in Zukunft immer stärker am Menschen orientieren, und zwar soweit, dass sie Transparenz in die Beziehungen von Beteiligten, Unternehmen und Dingen bringt. Diese Beziehungen werden mit zunehmend adaptiven, kontextbezogenen und flexiblen Technologien für den Arbeitsplatz aber auch zuhause und im Rahmen der Interaktion mit Unternehmen und anderen Beteiligten sehr viel komplexer werden.”

Ich persönlich bin der Ansicht, dass die Teilnahme an Fachkonferenzen wie der ELIA Together und die Beobachtung der neuesten Branchentrends über Fachblogs oder -websites die beste Vorbereitung auf neu aufkommende Technologien sind. Letztendlich dienen Technologien dazu, unsere Produktivität und die Qualität unserer Arbeit zu steigern.

  

Der Wert des persönlichen Austauschs 

Trotz der vielen interessanten Themen waren die Gespräche mit unbekannten oder bisher nur virtuell bekannten Personen wie Freelancern, Kollegen aus unseren Niederlassungen weltweit, Partnern und sogar anderen Anbietern zwischen den Veranstaltungen und in den Kaffeepausen für mich der wertvollste Aspekt der Konferenz. 

Die Menschen kennenzulernen, mit denen man täglich zusammenarbeitet, die man aber bisher nie persönlich getroffen hat, und sich über die positiven Aspekte und Herausforderungen unserer täglichen Arbeit auszutauschen, belebt unsere Arbeit — nicht nur die Beziehung von Freelancern und Sprachdienstleistern, sondern auch die unternehmensinterne. Das ist die zentrale Erkenntnis, die ich aus der Konferenz mitnehme und den Teams bei AMPLEXOR näherbringen möchte, die 2017 mehr denn je über den ganzen Globus verteilt sind.



Thema: Machine Translation, Multilingual Content, Translation Technology






Kristina Bauer

Geschrieben von Kristina Bauer

Kristina Bauer is the Delivery Unit Manager at AMPLEXOR International based in Berlin. Her main area of focus is managing of all delivery staff within the delivery unit and all related activities. She is in charge of monitoring the performance of the delivery unit with regard to defined quality standards and implementing adjustments and changes to production processes wherever necessary.

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