Treffen der Interessenvertreter der Sprachbranche

Geschrieben von Anke Vogel am 31/05/17

ELIA, die European Language Industry Association, hat eine neue Veranstaltung ins Leben gerufen, bei der alle Interessenvertreter der Sprachbranche nicht nur persönlich an einem einzigartigen Veranstaltungsort zusammenkommen, sondern auch ihre unterschiedlichen Blickwinkel zusammengetragen werden, um für beide Seiten positive Arbeitsbeziehungen zu pflegen und aufzubauen. Together wurde 2016 von ELIA gegründet. Die erste Veranstaltung fand in Barcelona statt. In diesem Jahr war Berlin der Veranstaltungsort — die perfekte Wahl für ein multikulturelles und kurzweiliges Event.

Mit 388 Teilnehmern aus 38 Ländern und 22 Agenturen, die auf der Together-Messe vertreten waren, war die Veranstaltung sowohl lebhaft als auch gut besucht.

 

Worum ging es?

Kurz gesagt: um Kommunikation.

Wie der Titel „Communicating for Succes“ („Erfolg durch Kommunikation“) bereits verrät, standen folgende Punkte im Vordergrund:

  • Botschaften (explizite oder implizite), Absichten, unterschiedliche Ansichten und Bedürfnisse
  • Geschäft — Was sind die Hauptprobleme, die man berücksichtigen sollte, und wie können sie bewältigt werden?
  • Technologie — Wie können Linguisten, Projektmanager (PM) und Sprachdienstleister (LSP) usw. die unterschiedlichen Tools einsetzen, um sich ihre Arbeit zu erleichtern?
ELIA Together Berlin 2017 - Wussten Sie, dass Wörter nur 7 % des Inhalts einer Botschaft ausmachen und der Rest über die Stimme (38 %) und Körpersprache (55 %) übertragen wird?

Wussten Sie, dass Wörter nur 7 % des Inhalts einer Botschaft ausmachen und der Rest über die Stimme (38 %) und Körpersprache (55 %) übertragen wird?

Es gibt Hunderte Möglichkeiten, wie wir uns missverstehen und uns wegen einer Kleinigkeit über den anderen ärgern können. Auch (oder besonders?) in unserer Branche gibt es häufig Sprachbarrieren und nicht zuletzt kulturelle Unterschiede, die zu der bereits bestehenden Herausforderung beitragen: die Kommunikation.

Das Programm der Konferenz umfasste drei Hauptthemen:

  • Beziehungen — Vorträge zur Geschäftsethik, zu Geschäftsbeziehungen (Freiberufler, Kunden, LSPs in allen erdenklichen Konstellationen); Förderung eines besseren Verständnisses der Herausforderungen, denen sich jede Partei gegenübersieht sowie Bereitstellung alternativer Lösungen, die für beide Seiten Vorteile bringen und eine erfolgreiche, langfristige Zusammenarbeit gewährleisten
  • Prozesse — mit dem Schwerpunkt darauf, wie Partnerschaften aufgebaut werden können und was jede Partei leisten muss, z. B. Anstellungsverfahren, andere Personalpolitiken und -strategien, Marketingmethoden und das Geschäft im Allgemeinen
  • Technologie — welche Tools stehen zur Verfügung: um die Produktivität und Effizienz zu verbessern, um eine hohe Arbeitsqualität zu gewährleisten, um bereits übersetzte Inhalte und Referenzmaterialien usw. zu optimieren

Kristina und ich hatten die Gelegenheit, einige Freiberufler kennenzulernen, die mit uns zusammenarbeiten. In Anbetracht der oben genannten Informationen zum Einfluss von Körpersprache ist dies immer eine wichtige und bereichernde Erfahrung, und man kann so auf einer anderen Ebene kommunizieren.

ELIA Together Berlin 2017 - Kristina und ich hatten die Gelegenheit, einige Freiberufler kennenzulernen, die mit uns zusammenarbeiten

 

Motivation von Freiberuflern

Aus Sicht eines Vendor Managers und um Motivation sowie Loyalität der Freiberufler zu fördern, war es interessant von Freiberuflern zu erfahren, was sie benötigen und was ihnen bei einer Zusammenarbeit am wichtigsten ist. Natürlich spielt die Bezahlung eine wichtige Rolle, aber auch andere Faktoren wie ein guter persönlicher Kontakt, eindeutige Anweisungen, Respekt und ein freundlicher Umgang bei der Problembewältigung standen weit oben auf der Prioritätenliste. Niemand möchte nur eine Nummer in der Vendoren-Datenbank sein oder mit „Sehr geehrter Mitarbeiter ...“ angeschrieben werden. Einige würden sogar eine geringere Bezahlung akzeptieren, wenn LSPs einen netteren Umgang mit ihren Freiberuflern pflegen würden, und auch alle anderen Kriterien erfüllt wären, u. a. gut strukturierte Anweisungen, systematische Produktionssysteme und einfache Rechnungsstellungsverfahren.

 

Für erfolgreiche, langfristige Geschäftsbeziehungen

In Heidi Kerschls Vortrag „Translators are from Venus, project managers are from Mars“ („Übersetzer sind von der Venus, Projektmanager vom Mars“) und Diskussionen, wie z. B. „Thinking beyond profit getting more added value“ („An mehr als nur an Gewinne denken und so den Mehrwert steigern“), an denen freiberufliche Übersetzern und CEOs von LSPs teilnahmen, wurden allgemein bekannte aber manchmal vergessene Tipps angesprochen, um professionelle Beziehungen aufzubauen und zu pflegen sowie die Teamzusammenarbeit in der Sprachbranche zu verbessern. Eine der Gruppen stellte mit „Seeing the other side“ („Die andere Seite bedenken“) die Ergebnisse aus einer Studie vor, die mit 45 Übersetzern und 12 Projektmanagern durchgeführt wurde, und die wichtigsten zu beachtenden Punkte zusammenfasst:

  1. Eindeutige Kommunikation und umgehende Reaktion — Präzise Nachrichten und regelmäßiges Feedback führen nicht nur zu besseren Ergebnissen, damit zeigt man auch mehr Respekt für den Empfänger und steigert das Vertrauen;
  2. Realistische Erwartungen und Deadlines — Übersetzer und LSPs müssen viele Kunden und Deadlines einhalten; bei all dem sollte die Work-Life-Balance nicht außer Acht gelassen werden.
  3. Die Arbeit des Übersetzers verstehen — Übersetzen erfordert nicht nur umfassende Sprachkenntnisse, sondern auch ein allgemeines Verständnis der jeweiligen Kultur von Ausgangs- und Zielsprache
  4. Stärkerer Fokus auf Qualität, weniger auf Kosten legen — Dies bezieht sich darauf, dass wir erfahrungsgemäß bei künftigen Projekten bessere Tarife erzielen und Kooperationssynergien besser nutzen können, wenn wir längerfristig und für mehrere Aufträge bei einem Anbieter bleiben. Das führt letzten Endes zu konsistenteren Ergebnissen.

ELIA Together Berlin 2017 - Treffen der Interessenvertreter der Sprachbranche

Gruppenfoto am zweiten Tag im Atrium, das während der Kaffee- und Mittagspausen für Networking genutzt wurde.



Thema: Language Services, Translation, Translation Management






Anke Vogel

Geschrieben von Anke Vogel

Anke Vogel is Vendor Manager at AMPLEXOR International based in Berlin, supporting recruiting and resource management for Life Sciences. As a Multilingual Communication Studies graduate, she has been in the language services industry for over 8 years, focusing on Human Resources and Vendor Management. Apart from recruitment, performance rating and contract negotiations, Anke is also responsible for vendor integration, motivation and development, maintaining relationships as well as acting as escalation point for vendors.

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