Alfresco DevCon 2019 – Neue Horizonte für Entwickler

    Die internationale Entwicklerkonferenz DevCon – drei Tage lang geht es dabei um die Technologie von Alfresco – ist jedes Mal aufs Neue ein Event, zu dem sich die Anreise lohnt. Hier berichten wir über Highlights, Ankündigungen und Perspektiven.

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     Drei Jahre ist es her, dass Alfresco die Einführung seines Application Development Framework (ADF) ankündigte. Und seitdem findet jährlich eine Entwicklerkonferenz statt, die Alfresco veranstaltet, damit sich die Community gründlich über die Technologie von Alfresco informieren und austauschen kann. In diesem Jahr lud die DevCon vom 29. bis zum 31. Januar ins schottischen Edinburgh ein. Drei Tage, an denen es für Kunden, Entwickler und Partner des Unternehmens viel Neues zu erfahren gab.

    Eröffnet wurde das Event von John Newton, dem Gründer und CTO von Alfresco. Er umriss in seiner Ansprache die neuesten Trends auf dem Gebiet des Enterprise-Content-Managements: Dazu zählen beispielsweise die künstliche Intelligenz (KI) und das Thema, wie sich dank maschineller Lernprozesse und Datenanalyse klassische Content-Management-Systeme zu intelligenten Content-Plattformen weiterentwickeln lassen. Oder auch das Hosting in öffentllichen Clouds, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Hinzu kommen ebenfalls neue Dienste, die von großen Cloud-Providern angeboten werden, u. a. Amazon Web Services (AWS). Mich hat besonders seine Vision des „Process First“ überzeugt – die Idee, dass Inhalte sich grundsätzlich an den Prozess anpassen. Woraus folgt, dass bei der digitalen Transformation eines Unternehmens im ersten Schritt zunächst einmal die Prozesse definiert werden sollten.

    Die DevCon eine Entwicklerkonferenz – ganz folgerichtig stand die Entwicklererfahrung im Vordergrund und es gab in diesem Rahmen einiges zu verkünden. Es gibt ein neues Builder-Netzwerk mit Dokumentation, Tutorials und vielem mehr. Das Alfresco Software Development Kit (SDK) ist jetzt mit Alfresco 6 kompatibel: Dadurch ist die Nutzung mit Docker und Kubernetes einfach wie nie. Was für die Entwicklererfahrung mit Alfresco zukünftig relevant sein könnte, lesen Sie hier:

    1. ADF – so sieht die Zukunft aus

    Der Version ADF 3.0 des Application Development Framework von Alfresco blicken wir alle erwartungsvoll entgegen. Insbesondere zwei Neuerungen machen von sich reden:

    • Die Alfresco JavaScript API ist ganz neu in TypeScript aufgesetzt. Das bringt eine Verbesserung beim Verpacken von Apps und eine entsprechend gesteigerte Leistungsfähigkeit.
    • Es gibt ein neues Extensibility-Modul zur Erweiterung: Es bietet eine besonders offene Schicht, die dazu gedacht ist, individuelle Anwendungen zu bauen und zu konfigurieren.  Darauf wartet die Community schon seit längerer Zeit. Diese Neuerung wird auch ihren Beitrag dazu leisten, dass sich das Framework breitflächig durchsetzt. Diese Schicht funktioniert im Grunde wie der Aikau-Mechanismus zur Erweiterung in vereinfachter Form.

    Alfresco Application Development Framework – ADF. Image source: AlfrescoDas ADF bietet nun auch zunehmend standardmäßige Web Components: Komponenten können in ein JavaScript-Framework oder sogar direkt in HTML injiziert werden. Die Verwendung von React oder Vue ist nun möglich, d. h. Sie sind nicht mehr auf Angular beschränkt. Und laufend kommen neue Komponenten hinzu, das ist klar.

    Auch auf neue Anwendungen im Rahmen von ADF dürfen wir uns einstellen: Process-App, Admin-App und Modeling-App. Klare Vorboten, dass Microservices nun auch das Frontend erreicht haben. Anstelle großer, monolithischer Anwendungen geht der Trend zu User Interfaces (UI), die eher den Endbenutzer im Blick haben; so genannte Micro Apps, die speziell für einen Anwendungsfall entwickelt sind. Bedeutet das nun die Abkehr von der „altbewährten“ Alfresco Share-Umgebung mit ihrem erklärten „One-Size-fits-all“-Ansatz? George Parapadakis, Product Strategy & Management Director bei Alfresco, versicherte, dass Share auch in Zukunft einen Platz in der Alfresco-Welt haben wird. Alfresco Share ist als Standard-UI für die Produktversion vorgesehen, mit der die Entwickler-Community arbeitet. Und darüber hinaus ist es die Anwendung der Wahl für Power User oder auch komplexere Anwendungsfälle. Digital Workspace (DW – auch dies eine ADF-Anwendung) soll die Endbenutzer-Oberfläche der Wahl für einfachere Anwendungsfälle sein. Ich habe meine Zweifel, ob sich diese künstliche Unterscheidung in der Praxis wirklich so durchsetzen lässt: Digital Workspace ist noch nicht ausreichend mit Features ausgestattet, um eine große Bandbreite an Anwendungsfällen abzudecken. Die Marschrichtung allerdings ist klar: Share bleibt, wie es ist, und die Entwickler bei Alfresco werden sich ab jetzt auf DW konzentrieren.

    2. Microservices

    Das Konzept der Microservices erreicht nun auch die Backend-Architektur der Alfresco Content Services (ACS). Über das neue Event Gateway bietet Alfresco Ihnen die Möglichkeit, Ihre kundenspezifischen Anpassungen „nach außen zu tragen“. Ab ACS 6.1 ist es möglich, Microservices zu schreiben, die Ihre Geschäftslogik enthalten und dann außerhalb Ihres Alfresco-Dienstes laufen. Das hat viele Vorteile: Die Plattform bleibt unverändert, Erweiterungen können unkompliziert hinzugefügt/entfernt werden und sie sind ganz unabhängig skalierbar, usw.

    Alfresco selbst macht es mit seinem neuen Transform-Service vor: Über das Event Gateway wickelt der Service die Erstellung von Thumbnails und die Wiedergabe als Vorschau ab.

    Ich finde, dass dieser Ansatz absolut in die richtige Richtung geht. Auf Alfresco basierende Lösungen erhalten dadurch mehr Flexibilität.

    Diese Architektur, das muss man wissen, eignet sich jedoch nicht für Anwendungsfälle jeglicher Art: Sie ist nämlich asynchron angelegt. Ist ein synchroner Betrieb mit Verzeichnissen Voraussetzung, dann ist dieser Event-Ansatz nicht tragfähig.

    3. Haben Benutzer das Nachsehen, die nicht containergestützt arbeiten?

    Das Open-Source-Prinzip und die Offenheit gegenüber anderen Open-Source-Technologien waren von Anfang an fest im Selbstverständnis von Alfresco verankert. Diese Philosophie lebt das Unternehmen nach wie vor. Daher führt Alfresco neue Technologien und Features auch schneller ein und reagiert in der Regel zügiger auf Trends als so manches proprietäre System. Für uns Entwickler ist das natürlich großartig!

    Während der Fragestunde mit Alfresco-CEO Bernadette Nixon kam aus dem Publikum jedoch ein interessanter Einwurf. Ein Teilnehmer merkte an, dass Kunden durchaus nicht immer bereit seien, auf den neuesten Trend aufzuspringen oder die neueste Entwicklung mitzumachen. Er nannte als Beispiel, dass die Kunden nicht in Scharen auf Alfresco 6 und eine Docker-gestützte Architektur umsteigen, obwohl es bei Alfresco den klassischen Installer nicht mehr gibt und nur noch mit Docker-Images und War-Dateien gearbeitet wird. Die Container-Plattform Docker gibt es bereits seit einigen Jahren. Aber bis vor etwa einem halben Jahr wurde sie fast ausschließlich von Entwicklern genutzt. Erst allmählich wird die Branche auf das Potenzial dieses Tools aufmerksam.

    Ich frage mich daher, ob sich Alfresco vielleicht sogar zu schnell neuen Technologien zuwendet? Oder anders herum, „alte“ Technologie zu früh abschreibt?

    Abschließende Worte – Mitarbeit und Einflussnahme

    Die DevCon verlässt man inspiriert und mit verschiedensten Erlebnissen, Anregungen und Erkenntnissen im Gepäck – das ist immer so. Der informelle Austausch mit den Experten von Alfresco und anderen Partnern hat sich erneut als äußerst wertvoll herausgestellt. Die Alfresco-Community ist in gewisser Hinsicht etwas ganz Besonderes: Externe Entwickler und die Programmierer und Manager bei Alfresco stehen im engen Austausch miteinander. Von uns kommt dabei regelmäßiges Feedback und wir können sogar Einfluss darauf nehmen, in welche Richtung das Produkt entwickelt wird.  Ich hatte auf der Konferenz Gelegenheit, unsere ersten Erfahrungen mit ADF und den Alfresco Process Services (APS) zu präsentieren. Daran waren die anderen Konferenzteilnehmer und auch Alfresco sehr interessiert!

    Als „Implementation Partner“ von Alfresco stehen wir im direkten Kontakt zu den Kunden und wissen, was die Endbenutzer erwarten und brauchen. Wir geben dieses Wissen an Alfresco weiter und dürfen behaupten, dass sich unser Input unmittelbar und positiv auswirkt – für unsere Kunden und für das Produkt. Wenn das mal keine echte Win-Win-Situation ist!

    Veröffentlicht auf    Zuletzt aktualisiert am 22/02/2019

    #Alfresco, #Softwareentwicklung

    Über den Autor

    Hans De Bal is a Senior ECM Consultant at Amplexor based in Belgium, specialized in Alfresco. Leading a team of developers, Hans focuses on providing clients with robust solutions against their business requirements. He has been responsible for successfully leading Alfresco projects for public and finance sectors. As an open source enthusiast, he’s also frequent speaker at BeeCon Alfresco Developer Conferences throughout Europe.

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