Product Owner: Jonglieren mit den verschiedenen Anforderungen des agilen Produktmanagements

    Nach dem Scrum-Modell nimmt der Product Owner (PO) eine zentrale Rolle im agilen Entwicklungsteam ein und muss laufend verschiedene Verantwortlichkeiten ausbalancieren. Wie können Sie als PO zum Beispiel Entwicklungszyklen verkürzen und für bessere digitale Plattformen sorgen?

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    Gute Product Owner haben ähnliche Eigenschaften wie gute Eltern. Wenn die Kinder groß werden, müssen sie eine Reihe von Schwierigkeiten bewältigen. Sie wissen noch nichts von der Welt, darum müssen die Eltern sie leiten und unterstützen. Haben wir als Product Owner eine ähnliche Aufgabe bei der Leitung der Entwicklung digitaler Produkte wie Websites, mobile Apps oder Intranets?

    Bei meiner Arbeit als Functional Analyst und Proxy Product Owner (Proxy PO) ist mir häufig aufgefallen, dass der Product Owner in einem Scrum-Framework viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten und dieses Kunststück Tag für Tag immer wieder neu üben muss. Vor meinem geistigen Auge tauchte spontan das Bild eines Jongleurs auf.

    Was müssen Product Owner für agile Entwicklungsteams angesichts dieser vielfältigen Verantwortung also mitbringen? In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über die Grundlagen des agilen Produktmanagements für angehende Product Owner und digitale Projektmanager.

     

    1.   Eine Geschichte erzählen, die auf einer gemeinsamen Vision beruht

    Betrachten wir den Kick-off eines Projekts zur Einführung eines neuen digitalen Produkts oder einer Plattform. Damit das Projekt ein Erfolg wird, müssen alle Stakeholder an einem Strang ziehen, das heißt die Vorstellungen zum gewünschten Ergebnis müssen aufeinander abgestimmt sein.

    Eine starke Produktvision mit klaren Zielen bietet während des gesamten Projektverlaufs Orientierung. Damit das gewünschte Ergebnis gemeinsam erreicht werden kann, müssen alle (auch alltägliche) Entscheidungen im Einklang mit dieser Vision und den zugehörigen Zielen stehen.

    Der Product Owner ist dafür zuständig, diese Vision jederzeit zu vermitteln, sodass alle, die an dem (noch unfertigen) Produkt beteiligt sind, die Erwartungen verstehen. Der Product Owner muss also in der Lage sein, eine stimmige Geschichte zu erzählen.

     

    2.   Produkt-Roadmap regelmäßig aktualisieren

    Wenn die Vision klar ist, geht es im nächsten Schritt darum, eine Produkt-Roadmap festzulegen. Dies ist üblicherweise eine gemeinsame Aufgabe von Stakeholdern und Scrum-Team einschließlich Entwicklern und Testern. Das Ergebnis ist ein erster Entwurf des Produktumfangs und der damit verbundenen Prioritäten und zukünftigen Versionen, der als Grundlage für einen ersten High-Level-Forecast dient.

    Da allerdings bei Scrum-Projekten wie im echten Leben vieles anders kommt, als man denkt, müssen Sie den Umfang und die Prioritäten Ihres (agilen) Projekts immer wieder neu bestimmen. Um diese Änderungen zurückverfolgen und die Gegebenheiten richtig abbilden zu können, muss die Produkt-Roadmap regelmäßig aktualisiert werden. Es handelt sich hier um eine wiederkehrende Tätigkeit, die in der Regel mit allen relevanten Stakeholdern durchgeführt wird und von entscheidender Bedeutung für das Produktmanagement ist.

     

    3.   Sicherstellen, dass Ihr Team das richtige Produkt erstellt

    Zu den Aufgaben des Product Owners gehört es immer auch, Mehrwert für die Endnutzer zu schaffen. Dies ist einer der schwierigsten Aspekte dieser Rolle: Sie müssen die Endnutzer sowie deren Arbeitsweisen, alltäglichen Schwierigkeiten und Frustrationen genau kennen und wissen, womit Sie sie für Ihr Produkt begeistern können.

    Sie können nur dann die richtige Lösung bereitstellen, wenn Sie wissen, welchen Herausforderungen die Benutzer beim Einsatz ihrer aktuellen Tools begegnen, was heute schon gut funktioniert und was Frust verursacht. Nehmen Sie sich darum unbedingt genug Zeit für die Endnutzer und geben Sie ihnen im Projektverlauf die Möglichkeit, die einzelnen Funktionen und Inkremente ausführlich zu testen.

    Das Nutzer-Feedback hilft Ihnen anschließend, Ihren Produkt-Backlog zu verwalten und bei Bedarf kontinuierlich anzupassen. So stellen Sie sicher, dass Sie eine maßgeschneiderte Lösung im Einklang mit den Kundenanforderungen erstellen. Als Product Owner tragen letzten Endes Sie die Verantwortung dafür, dass sich die Technologieinvestition auszahlt.

    Allerdings werden Sie im Umgang mit Endnutzern eine große Portion Empathie und diplomatisches Geschick benötigen, da nicht alle Nutzerwünsche zwangsläufig umgesetzt werden sollten. Denn wäre es nur danach gegangen, hätte Henry Ford wohl schnellere „Pferde“ gebaut …

     

    4.   Aktuelle Produktentwicklungen kontinuierlich verfolgen

    Zwar gehört das Testen nicht zu den Kerntätigkeiten des Product Owners, aber da sich Ihr Produkt täglich weiterentwickelt (jedenfalls, solange Product Increments erstellt werden), sollten Sie wissen, wie etwa die Benutzeroberflächen der Plattform aussehen oder wie leistungsfähig das Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt ist. Wenn Sie regelmäßig selbst Plattform-Tests vornehmen – zum Beispiel jeweils vor einer Sprint-Demo –, bleiben Sie jederzeit über die Entwicklungen und den aktuellen Status Ihres Produkts auf dem Laufenden.

     

    5.   Skill-Set kontinuierlich erweitern

    Um die vier oben beschriebenen Zuständigkeiten erfolgreich wahrnehmen zu können, brauchen Sie als Product Owner ein breit gefächertes Skill-Set: Sie benötigen ausgezeichnete Kommunikationsfähigkeiten, müssen in der Lage sein, dem Druck von Stakeholdern standzuhalten, und Verhandlungsgeschick beweisen, wenn deren Vorstellungen nicht mit Ihren Produktentwicklungsvorhaben zusammenpassen.

    Bei der Arbeit mit Endnutzern und bei Recherchen können weitere Kompetenzen eine Rolle spielen, zum Beispiel echtes Interesse am Produkt und dessen Verwendung, eine gute Beobachtungsgabe und Verständnis für das Benutzererlebnis sowie die Fähigkeit, zuzuhören und die Benutzer für zukünftige Änderungen zu coachen.

     

    Erfolgreich als Product Owner arbeiten – eine „magische“ Erfahrung

    Mit diesen Tipps sind Sie hervorragend aufgestellt, um als Product Owner Interessen auszubalancieren, zu priorisieren und zu klären.

    Wenn Sie Ihr PO-Skill-Set kontinuierlich verbessern und feststellen, dass Stakeholder und Endnutzer mit dem Ergebnis gleichermaßen zufrieden sind, können Sie zufrieden und stolz darauf sein, dass Ihnen Ihre Arbeit „wie von Zauberhand“ geglückt ist. Schließlich heißt es in der englischsprachigen Wikipedia: „Zauberei ist die Kunst, mit natürlichen Mitteln scheinbar Unmögliches möglich zu machen.“ 😊

    Wenn Sie mehr über die Erfolgsgeheimnisse funktionsübergreifender Teams erfahren möchten, lesen Sie unseren Blog-Beitrag zu Rollen und Zuständigkeiten des Product Owners. Haben Sie selbst schon einmal als Product Owner mit agilen Entwicklungsteams zusammengearbeitet? Teilen Sie uns gern im Kommentarbereich Ihre Erfahrungen und Anregungen mit.

    Veröffentlicht auf 21/11/19    Zuletzt aktualisiert am 21/11/19

    #Digitale Strategie, #Kundenerfahrung, #Softwareentwicklung

    Über den Autor

    Katy Willems is Business Consultant at AMPLEXOR, based in Belgium. Specializing in Business Process Analysis, she focuses on capturing all the business and functional aspects of projects and translating them into solid technology solutions. Katy has over 5 years of project experience when it comes to delivering a solid business or functional analysis report.

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